Patrizia Laeri von ellexx im Gespräch mit Moderator Julian Thorner am Wirtschaftstag im Thurgauerhof in Weinfelden.
Bild: zVg
03.06.2026 14:40
Ein «ehrlicher» Wirtschaftstag
Statt reiner Erfolgsgeschichte, erzählen die diesjährigen Referierenden, wie sie mit Gegenwind umgegangen sind
Wie gelingt es, trotz Unsicherheit, Rückschlägen und Widerständen vorwärtszukommen? Dieser Frage widmete sich BOOM! – der Thurgauer Wirtschaftstag , der am Donnerstag, 28. Mai, bereits zum vierten Mal stattfand. Dass die Referentinnen und Referenten auch eine verletzliche Seite zeigten, beeindruckte die Gäste.
Weinfelden Rund 250 Unternehmerinnen und Unternehmer, Führungskräfte und junge Berufsleute kamen zusammen, um sich über Chancen, Herausforderungen und persönliche Erfahrungen auszutauschen. Das diesjährige Motto «Vorwärts mit Gegenwind» zog sich dabei wie ein roter Faden durch den gesamten Abend. Einen wirtschaftlichen Überblick lieferte Alessandro Bee, Ökonom bei UBS. Anhand aktueller Umfrageergebnisse zeigte er auf, wie Schweizer Unternehmen die Folgen geopolitischer Spannungen, internationaler Zollkonflikte und den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz einschätzen. Besonders Industrieunternehmen investieren verstärkt in Energiesparmassnahmen und die eigene Energieproduktion. Gleichzeitig wünschen sich viele Unternehmen angesichts des wachsenden Protektionismus bessere Rahmenbedingungen durch die Politik. Etwa in Form von Freihandelsabkommen, der Förderung von Forschung und Entwicklung sowie einem gesicherten Zugang zum europäischen Binnenmarkt.
Ein ehrlicher Rückblick
Dass Erfolg und Rückschläge oft näher beieinanderliegen, als man auf den ersten Blick vermutet, wurde im weiteren Verlauf des Abends eindrücklich deutlich. Die Wirtschaftsjournalistin und ellexx-Gründerin Patrizia Laeri sprach nicht nur über finanzielle Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern, sondern auch über die Herausforderungen beim Aufbau ihres Unternehmens. Offen schilderte sie die Widerstände, denen sie und ihre Mitgründerinnen begegneten, und wie sie diese überwinden konnten.
Der Umgang mit dem Scheitern
Ebenso bewegend waren die Ausführungen von Peter Fankhauser. Als letzter CEO der Thomas Cook Group erlebte er den Zusammenbruch eines der bekanntesten Reiseunternehmen Europas aus nächster Nähe. Seine Schilderungen über Verantwortung, schwierige Entscheidungen und den Umgang mit dem Scheitern fesselten das Publikum. Gleichzeitig machte er deutlich, wie wichtig Vertrauen, Zusammenhalt und die Bereitschaft zum Neuanfang in Krisensituationen sind. Gerade diese persönlichen Einblicke sorgten für besondere Momente. «Es gab an diesem Abend demnach viele emotionale Augenblicke», sagt Marc Widler, Geschäftsführer des Thurgauer Gewerbeverbands. «Die Referierenden haben sehr authentisch aufgezeigt, dass nicht immer alles einfach verläuft. Viele Gäste konnten sich darin wiederfinden. Es tat gut zu sehen, dass auch andere mit Herausforderungen kämpfen – und gleichzeitig zu erleben, dass sich Beharrlichkeit und Weitermachen auszahlen können.»
KI in der Landwirtschaft
Weitere Perspektiven auf das Thema «Vorwärts mit Gegenwind» lieferten Ronald Indergand, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik beim SECO, die Brüder Beat und Thomas Lehner aus dem Thurgauer Obst- und Beerenanbau sowie die Wirtschaftspsychologin und ZHAW-Dozentin Désirée Rehnert. Während Indergand die Bedeutung stabiler Standortfaktoren in einem zunehmend unsicheren Umfeld hervorhob, zeigten Beat und Thomas Lehner auf, wie moderne Pflanzenschutzmethoden, robustere Sorten und KI den regionalen Anbau unterstützen können. Désirée Rehnert erklärte, wie der Umgang mit Emotionen dabei helfen kann, Blockaden zu überwinden und wieder handlungsfähig zu werden. Trotz Themen, die zum Nachdenken anregen, war die Stimmung laut Marc Widler positiv im anschliessenden Apéro.
red