Alterszentrum soll saniert werden.
25.09.2025 14:30
Zwischen Pflicht und Perspektive
Sanierung notwendig
Ein Altersheim, das nicht nur saniert, sondern neu denkt: In Steckborn soll für 6,5 Millionen Franken ein Erweiterungsbau entstehen, der Brandschutzpflicht und den Wunsch nach zeitgemässem Wohnen im Alter verbindet und über dessen Zukunft am Ende die Steckborner Bevölkerung entscheidet.
Steckborn Das Alters- und Pflegeheim Steckborn steht erneut vor einem markanten Entwicklungsschritt. Am 3. Juli haben die Delegierten des Zweckverbands, dem die Gemeinden Steckborn, Homburg und Mammern angehören, einstimmig einen Erweiterungsbau im Umfang von 6,5 Millionen Franken beschlossen. Noch ist das Projekt allerdings nicht inSteingemeisselt:WeildieInvestition die finanzielle Kompetenz der Delegiertenversammlung übersteigt, unterliegt der Entscheid dem fakultativen Referendum. Damit können die Stimmberechtigten aller drei Gemeinden das letzte Wort haben. Kommt ein Referendum zustande, wird an der Urne oder an der Gemeindeversammlung abgestimmt; bleibt es aus, tritt der Beschluss automatisch in Kraft.
Dringender Handlungsbedarf
Die bauliche Notwendigkeit ist unbestritten. Eine Analyse im Jahr 2024 stellte fest, dass das bestehende Treppenhaus dringend saniert werden muss, um die heutigen Brandschutzauflagen zu erfüllen. Solche Arbeiten dulden keinen Aufschub, die kantonale Gebäudeversicherung spricht voneinemHorizont von ein bis drei Jahren. Mit dem Erweiterungsbau wird diese Pflicht nun mit einem zukunftsgerichteten Konzept verbunden, das weit über reine Sicherheit hinausgeht. Der zweite Teil des Projekts zielt auf den demografischen Wandel. Immer mehr ältere Menschen möchten selbstständig wohnen, gleichzeitig aber auf niederschwellige Pflegeund Unterstützungsangebote zurückgreifen können. Vorgesehen sind deshalb 18 barrierefreie Wohnungen, die direkt mit den Dienstleistungen des Heims und der Spitex verknüpft sind. Notrufsystem, rollstuhlgängiger Lift, Gemeinschaftsräume und die Nähe zu Küche, Hausdienst und Pflegeangebot schaffen eine Wohnform, die SicherheitundEigenständigkeitvereint.Im Untergeschoss sind zusätzliche Räume für die Spitex, Umkleiden für das Personal und Technikflächen eingeplant. Innerhalb der Delegiertenversammlung wurde diskutiert, ob man die zwingende Sanierung im Umfang von 1,5 Millionen Franken vom Neubau über rund fünf Millionen Franken trennen sollte. Eine solche Lösung hätte bedeutet, dass zumindest über den kleineren Betrag direkt entschieden werden könnte.AmEndeentschiedmansich bewusst dagegen. Man wolle das Projekt als Ganzes behandeln, hiess es, und nicht Gefahr laufen, mit einer «Salamitaktik» Vertrauen zu verspielen. So lag schliesslich ein Gesamtpaket von 6,5 Millionen Franken auf dem Tisch – und wurde einstimmig befürwortet.
Ein Haus mit Geschichte
Das Heim selbst blickt auf eine lange Entwicklung zurück. 1973 eröffnet, bot es zunächst 61 Plätze in schlichten Mehrbettzimmern. Ein erster Umbauplan Ende der 1980erJahre blieb stecken, erst Anfang der 2000er-Jahre nahm die Modernisierung wieder Fahrt auf. 2001 sprachen sich die Stimmberechtigten klar für eine Erweiterung aus, 2004 begannen die Arbeiten, 2006 konnte der Neubau eingeweiht werden. HeutebietetdasHausPlatz für72Bewohnerinnen und Bewohner. Die Lage mit Blick auf den Untersee, ein gepflegter Garten und die hohe Betreuungsqualität machen es zu einem beliebten zu Hause im Alter – doch die Nachfrage übersteigt seit Jahren die Kapazitäten. Regionale Parallelen Steckborn steht mit diesem Vorhaben nicht allein. Auch andere Gemeinden im Kanton Thurgau habenindenvergangenenJahreninaltersgerechtes Wohnen mit SpitexAnbindung investiert. In Amriswil etwa wurde 2022 ein Neubau mit 31 Alterswohnungen und Spitex-Büros für knapp 14 Millionen Franken beschlossen, der im Herbst 2025 eröffnet werden soll. Solche Projekte zeigen, wie stark die Nachfrage nach Mischformen zwischen selbständigem Wohnen und verlässlicher Betreuung wächst – gerade in ländlichen Regionen. Auch überdenKantonhinaus setzenStädte und Stiftungen auf ähnliche Konzepte, die den Übergang zwischen ambulant und stationär glätten. Blick nach vorn - Die Bevölkerung ist am Zug Das Projekt in Steckborn ist damit mehr als eine Pflichtaufgabe. Es sichert einerseits den Bestand durch notwendige Sanierungsarbeiten, andererseits eröffnet es neue Wege im Umgang mit einer älter werdenden Gesellschaft. Transparenz und Mitbestimmung spielen dabei eine zentrale Rolle: Die Delegierten haben entschieden, nun liegt es an der Bevölkerung, ob sie das Vorhaben mitträgt.
Von Desirée Müller