Stadtrat Stephan Marty (l.) und Stadtpräsident Moritz Eggenberger setzen sich für Fernwärme in Steckborn ein. Manuela Olgiati
28.05.2026 09:42
Zukünftige Wärmeversorgung in Steckborn
Über das Vorprojekt befinden die Stimmberechtigten am 14. Juni.
«Steckborn ist in der Wärmeversorgung zu stark von Erdgas aus dem Ausland abhängig», sagt Stadtrat Stephan Marty. Mit dem Untersee liege jedoch ein natürlicher erneuerbarer Energieträger vor der Haustüre.
Steckborn Deswegen hat der Stadtrat die Machbarkeit einer sicheren, unabhängigen und wirtschaftlichen Wärmeversorgung mit Fernwärme abklären lassen. «Die Abklärungen zeigen, dass ein Wärmeverbund technisch und wirtschaftlich möglich sein könnte», ergänzt Marty. Doch «möglich» allein reiche nicht für einen Bauentscheid. Genau deshalb brauche es das Vorprojekt. An einer gut besuchten Informationsveranstaltung nach den Sportferien in der Feldbachhalle stiessen die Pläne des Stadtrates auf Interesse.
Um eigene Wärme zu nutzen, könnte eine Kombination aus Seethermie und Holz Vorbildfunktion für einige weitere Gemeinden sein. In Steckborn geht es vorerst um ein Vorprojekt über 165'000 Franken, worüber die Stimmberechtigten an der Urne befinden. Dieses soll Kosten, Umsetzung und Organisation detailliert und konkret klären. Die Machbarkeitsstudie des Kompetenzzentrums «Erneuerbare Energie-Systeme Thurgau» (KEEST) schlägt einen kreativen Ansatz vor.
Mit einer Kombination mit Seethermie, ARA-Abwärme und einheimischem Holz könnte ein ökologisch und vor allem unabhängig betriebener Wärmeverbund realisiert werden und die Stadt Steckborn könnte ganz auf Erdgas aus dem Ausland verzichten. Stadtpräsident Moritz Eggenberger erwähnt eine nachhaltige und umweltfreundliche Alternative. Das Vorprojekt soll unter anderem den Erschliessungsperimeter, die Investitionskosten sowie Organisations- und Betreibermodelle vertieft prüfen. Die Machbarkeitsstudie von KEEST schätzt die Investitionen eines möglichen Wärmeverbunds derzeit grob auf rund 26,4 Millionen Franken. Im Vorprojekt werde deshalb ebenso geprüft, ob und wie Energiepartner eingebunden werden könnten und welches Betreibermodell die Risiken für Stadt und Bevölkerung möglichst geringhalten. Über eine allfällige spätere Umsetzung würde erst zu einem späteren Zeitpunkt und auf Basis detaillierterer Zahlen entschieden.
Dialog mit Einwohnern
«Das Vorprojekt Wärmeverbund bewegt die Steckborner Bevölkerung», sagt Stadtpräsident Moritz Eggenberger. Das Resultat aus der zweiten Studie bilde eine geeignete Grundlage, um Erkenntnisse zu vertiefen, fügt Eggenberger an: «In dieser Studie wurde nahezu das gesamte Gemeindegebiet zum Wärmeabsatzpotenzials untersucht.» Die Wärmegewinnung wäre durch eine Kombination aus Seewasserthermie, Abwasserwärmerückgewinnung sowie einer Spitzenlastfeuerung für die wenigen sehr kalten Tage optimiert. Der Stadtpräsident zeigt sich überzeugt davon, dass dies Investitionen minimiere. Gleichzeitig wäre die Wirtschaftlichkeit verbessert.
Die Stadt sei in der Pflicht, auch bei der Wärmeversorgung eine übergeordnete Planung sicherzustellen. Bei einem Nein müssten sich die Eigentümer, Unternehmer und Institutionen selber um individuelle Lösungen bemühen. Der Stadtpräsident ergänzt: «Dieser Pflicht kommen wir mit den Studien und dem Vorprojekt nach.» Die Abstimmung für die Steckborner Stimmberechtigten findet am 14. Juni an der Urne statt.
Von Manuela Olgiati