Stefan Menti möchte Ruhe ins politisch turbulente Steckborn bringen.
Bild: zVg
21.08.2025 09:49
Vom Krisenmanager zum Kommunalpolitiker
Stefan Menti will als neuer Stadtrat Ruhe nach Steckborn bringen. Als Sanierer weiss er, wie man Unternehmen aus einer Krise bringt
Seit 35 Jahren lebt Stefan Menti in Steckborn, doch für die Politik blieb nie Zeit. Jetzt hat der Unternehmer den Sprung gewagt. Er führte als Sanierer Firmen in schwierigen Zeiten, ordnete Strukturen neu und brachte sie wieder auf Kurs. Für Steckborn ist der Fels in der Brandung scheinbar ein Geschenk des Himmels.
Steckborn Die Entscheidung fiel fast beiläufig. Bei einem Mittagessen meinte ein Freund zu ihm: «Hast du gesehen? Niemand kandidiert für den Stadtrat.» Menti schaute auf, dachte kurz nach und spürte: Jetzt passt es. «Nicht weil sonst keiner wollte, sondern weil es für mich der richtige Zeitpunkt ist», sagt er. Beruflich war Menti in den letzten Jahrzehnten meist weit weg von Steckborn. Als Sanierer wurde er immer dann gerufen, wenn Firmen in Schieflage gerieten.
Mit zwei Masterabschlüssen in Betriebswirtschaft, viel Erfahrung und dem Talent, Menschen zu führen, übernahm er Verantwortung. Ob für drei Monate oder für mehrere Jahre.«Sanierer ist ein schwieriges Wort, viele verbinden damit Entlassungen. Mir ging es aber immer darum, genau hinzusehen: Fakten analysieren, Strukturen anpassen, Menschen mitnehmen. Dann kommt ein Unternehmen wieder auf die Bahn.» Über 15 Mandate hat er in den letzten 25 Jahren erfolgreich abgeschlossen – bei Banken, privaten Firmen, zuletzt auch im internationalen Umfeld. Für ihn war diese Rolle mehr als ein Job: «Es gibt nichts Spannenderes, als mit Menschen etwas zu bewegen, Entscheidungen zu treffen und eine schwierige Ausgangslage in Ordnung zu bringen.» Der Wechsel in die Kommunalpolitik erscheint wie eine logische Fortsetzung. «In grossen Gremien geht es oft ums Reden, aber nicht ums Entscheiden. Auf lokaler Ebene kann man wirklich gestalten.»
Politik als neue Welt
Sein Ziel: Ruhe ins politisch bewegte Steckborn bringen. «Die Stadt war in den letzten Jahren turbulent unterwegs. Ich möchte Kontinuität schaffen, Projekte anpacken und dafür sorgen, dass die Finanzen im Griff sind.» Dabei sieht er sich klar als Teil des Teams: «Ich war beruflich fast immer am Kopfende des Tisches. Jetzt will ich bewusst auf der Seite Platz nehmen und unterstützen. Stadtpräsident wäre nichts für mich – ich finde, Moritz Eggenberger macht das gut.»
Seine berufliche Herkunft prägt ihn: «Ich komme von den Zahlen, von Abläufen und Reglementen. Aber ich lerne sehr gerne – und die Zusammenarbeit mit dem Kanton oder neue Vorschriften sehe ich als spannende Herausforderung.» Was ihn in der Politik antreibt, ist nicht Macht, sondern Verstehen: «Als Bürger habe ich oft gedacht: Wieso dauert ein Entscheid so lange? Oder warum kommunizieren die nicht früher? Jetzt möchte ich es von innen erfahren, die Abläufe verstehen und die Erklärung nach Aussen tragen.»
Reaktionen und Rückenwind
Als Menti seine Kandidatur öffentlich machte, war er überrascht von der Resonanz. «So viele haben gesagt: Danke, dass du das machst. Damit habe ich nicht gerechnet.» Auch auf LinkedIn erhielt er zahlreiche Rückmeldungen, selbst aus dem Ausland. «Das war lässig – aber meine Motivation ist nicht Prestige. Ich will lernen, Erfahrungen sammeln und dort etwas bewegen, wo ich lebe.» «Wenn man polarisiert gibt es immer zwei Seiten und das ist völlig in Ordnung.» Damit nimmt er Bezug auf die Bemerkungen seitens der SP-Ortspartei, welche einen zweiten Wahlgang empfahl, weil die Kandidatur von Menti verspätet erfolgte und die Wahl ohne formelle Konkurrenz stattfand. Er reagiert aber gelassen. 319 Stimmen zeigen ihm, wie gross sein Rückenwind aus dem Volk ist.
Verwurzelt am Untersee
Für die Stadt bringt er sich seit Jahren ein, man kennt Stefan Menti. Ob als einstiger Präsident des Verkehrsvereins, als Mitbegründer des Tourismus Untersee, als Organisator der Frühlingsschauen als Revisor der Primarschule oder Mitglied des Elternrates. Geboren in Zürich, war Menti beruflich viel unterwegs, auch im Ausland. Die Ostschweiz war lange ein weisser Fleck auf der Landkarte. Über ein Mandat in Frauenfeld verliebte er sich in den Thurgau, fand so nach Steckborn und blieb. Er hat vier Kinder: Der älteste Sohn lebt in Singapur, der zweite Sohn ist Unternehmer in Steckborn. Seine zwei Töchter besuchen die Oberstufe. Und auch seine emotionale Bindung ist spürbar: «Wenn ich über den Seerücken fahre und ins Eichhölzli hinunterschaue, denke ich jedes Mal: Was für ein schöner Ort, um zu wohnen.»
Von Desirée Müller