Anfang des Jahres wurde die Asylunterkunft geschlossen, nun werden wieder Aslysuchende in Steckborn aufgenommen. Archivbild
27.08.2025 09:31
Steckborn nimmt wieder Asylsuchende auf
Seit dem es anfangs des Jahres zu einer vorübergehenden Schliessung des Bundesasylzentrum in Steckborn kam, war die Zivilschutzanlage Bühl an der Talstrasse 1 nicht mehr belegt. Doch ab Mitte September wird sich dies wieder ändern.
Steckborn Es war ein Grundsatzentscheid, der schweizweit für Aufmerksamkeit sorgte. Im Februar 2024 kamen über 700 Bürgerinnen und Bürger zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung nach Steckborn, um über das Bundesasylzentrum abzustimmen. Eine Bürgerbewegung wollte die Anlage schliessen lassen. Mit Bild- und Videomaterial aus der Unterkunft sprachen die Mitglieder der Bewegung von Kriminalität und unhaltbaren Zuständen. Mit einer grossen Mehrheit sprach sich die Mehrheit der Einwohnerinnen und Einwohnern von Steckborn gegen eine Kündigung des Vertrags mit dem Staatssekretariat für Migration (SEM) und somit für das Aslyzentrum aus. Nachdem es anfang des Jahres wegen rückläufiger Zahlen geschlossen wurde, wird das Aslyzentrum in der Zivilschutzanlage Bühl nun erneut für eine temporäre Unterbringung von asylsuchenden Menschen vorbereitet.
Unterbringung ab Mitte September
In wenigen Wochen werden die ersten Personen in der Anlage eintreffen und dort für eine gewisse Zeit wohnen. Jedoch lasse sich aktuell noch nicht sagen, wie viele Menschen genau ankommen werden, so die Mitteilung der Stadt. «Wir gehen davon aus, dass die Anlage im Herbst und bis Ende des Jahres belegt sein wird und sich der Bedarf dann wieder entspannt», erklärte der Steckborner Stadtpräsident Moritz Eggenberger auf Nachfrage unserer Zeitung. «Auch wenn die generellen Zahlen von Asylgesuchen rückläufig sind, ist es bekannt, dass es zu saisonalen Schwankungen vom Eingang von Gesuchen, vor allem zum Ende des Sommers, kommen kann.
Die Betreuung und Koordination vor Ort übernehme rund um die Uhr das SEM gemeinsam mit den zuständigen kantonalen und städtischen Stellen, so Eggenberger. Die bereits erprobte Strukturen würden dann wieder in Betrieb genommen. Und eine klare Betriebsorganisation, geregelte Sicherheits- und Hausordnungsmassnahmen, festgelegte Ruhezeiten sowie Ansprechpersonen für Fragen und Anliegen würden wieder eingeführt. «Hier kommt es uns zu Gute, dass wir in den letzten Jahren die nötigen Erfahrungen sammeln um jetzt erneut geregelt damit umgehen zu können», so Eggenberger. Die sehr hohe Zustimmung der ausserordentlichen Generalversammlung sei eine Legitimation für die Weiterführung des Vertrags gewesen und ist die Grundlage für das aktuell laufende Vertragsverhältnis. Eine Prognose für die nächsten Jahre sei nicht möglich.
Nur kleine «Probleme» für die Stadt
Dennoch komme auf die Stadt Steckborn eine gewisse kommunikative Herausforderung zu. «Auch für uns als Stadtrat ist diese Information kurzfristig eingetroffen. So wurden wir erst Anfang letzter Woche informiert. Und auch die Bevölkerung wird über diese Entscheidung sicher überrascht sein.» Nichtsdestotrotz ist der Stadtpräsident überzeugt, dass es im Gros gut kommen wird. «An der ausserordentlichen Generalversammlung hat sich die Bevölkerung deutlich für das Asylzentrum ausgesprochen. Ich gehe davon aus, dass auch heute noch die gleiche Grundeinstellung herrscht.» Inwiefern es dann wieder Angebote für die Asylsuchenden gebe, darüber könne man noch nichts sagen, zu unklar sei die Zahl und Herkunft der Menschen.
Trotz aller Erfahrungen stelle die Unterbringung sowohl für die Bevölkerung der Stadt als auch für die ankommenden Menschen eine Herausforderung dar. So sei sich der Stadtrat dieser Situation bewusst und bittet die Bevölkerung um Offenheit, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft. Gleichzeitig dankt er den Steckbornerinnen und Steckborner für ihr Verständnis und ihre Unterstützung. Der Stadtrat informiert die Bevölkerung fortlaufend über weitere Schritte.
Von Nico Wrzeszcz