20.01.2026 16:44
Zuckerfabrik läuft wieder
Nach einem Defekt im Kalkofen ist die Zuckerfabrik Frauenfeld seit Anfang Januar wieder in Betrieb
Ende November musste die Zuckerproduktion in Frauenfeld aufgrund eines Defekts am Kalkofen gestoppt werden. Anfang Januar konnte die Produktion wieder aufgenommen werden.
Frauenfeld Ein kaputter Kalkofen hat in der Zuckerfabrik Frauenfeld für einen Stopp in der Produktion zur Halbzeit der Kampagne gesorgt. Den ganzen Dezember und auch heute noch liegen zahlreiche Berge von Zuckerrüben an Feldrändern und können nicht zu Zucker verarbeitet werden. «Das innere des Ofens ist mit Schamottsteinen verkleidet. Diese haben sich aus unerklärlichen Gründen verschoben. Dadurch sind Spalten entstanden und das darunterliegende Metall schmolz bei einer Hitze von rund 1200 Grad», erklärte Raphael Wild, Leiter Kommunikation der Schweizer Zucker AG, den Ausfall der Zuckerfabrik. Aus Sicherheitsgründen sei der Brennofen abgeschaltet worden. Doch mittlerweile kann in Frauenfeld wieder produziert werden.
Externe Zufuhr für Produktion
Seit Anfang Januar läuft die Fabrik wieder. «Wir haben die Produktion wieder aufgenommen, in dem wir die Stoffe, die der Ofen produziert, extern einführen, das sind Brandkalk und CO2», so Wild. Dies sei eine einzigartige Neuerung auf europäischer Ebene. Zwar führe die externe Zufuhr zu Mehrkosten, da der Zuckerpreis jedoch vom Weltmarkt bestimmt werde, habe dies keinen Einfluss auf den Preis.
Der defekte Ofen wurde nicht repariert, sondern innerhalb eines Monats zurückgebaut. «Doch für die Kampagne im kommenden Herbst wird ein neuer Ofen angeschlossen und dann auch wieder einsatzbereit sein.» Der Kalkofen hat in der Zuckerproduktion eine wichtige Funktion. «Der aus den Zuckerrübenschnitzel entzogene zuckerhaltige Rohsaft muss gereinigt werden. Dazu wird die sogenannte Kalkmilch verwendet. Diese entsteht, wenn gebrannte Kalksteine mit Dünnsaft vermischt werden. Im Kalkofen werden so pro Tag rund 200 Tonnen Kalksteine gebrannt. Die Kalkmilch ist unerlässlich für die Herstellung von Zucker, filtert sie doch viele unerwünschte Nichtzuckerstoffe aus dem Saft», schreibt die Schweizer Zucker AG auf ihrer Homepage.
Gutes Wetter für Rüben
Produziert werde in Frauenfeld wahrscheinlich noch bis Ende Februar. «Die Übergangslösung im Werk Frauenfeld funktioniert gut und erreicht die erhofften 200 Tonnen pro Stunde. Bleibt die Qualität der Rüben konstant, kann die wöchentlich verarbeitbare Menge sogar erhöht werden», schreibt die Schweizer Zucker AG in ihrem Wochenbericht vom 15. Januar. Die zum Teil grossen Mengen an Zuckerrüben werden garantiert noch verarbeitet. «Wie lange die Rüben haltbar sind, ist wetterabhängig. Durch die kalten Temperaturen gab es vor einigen Wochen wenige Probleme», so Raphael Wild. Doch die wärmeren Temperaturen letzte Woche sorgten dafür, dass viele Rübenberge zu gären beginnen, beim Vorbeilaufen würde man es schon frühzeitig riechen. «Ob die Rüben noch gut sind oder gären, können wir vorweg nicht entscheiden. Alle Rüben werden angeliefert und vor Ort beprobt», betont Wild. Fallen die Proben zu schlecht aus, werden sie nicht mehr zu Zucker weiterverarbeitet. Dann könnten sie etwa in der Biogasanlage verwertet werden. Raphael Wild versichert: «Es werden garantiert alle Rüben angeliefert. Es bleiben keinen Zuckerrüben auf den Feldern zurück, die Landwirte werden sicher vergütet.»
Für die Landwirte werde Zucker Schweiz ein Entschädigungsmodell erarbeiten. Die Details dazu sind noch nicht bekannt und werden zu gegebener Zeit kommuniziert.
Von Nico Wrzeszcz
Wie Zuckerrüben durch den Winter kommen
Wenn Rüben in den Winter kommen, sinkt die Photosynthese-Leistung und sie fangen an, den Kristallzucker (Saccharose) über eigene Stoffwechselprozesse zu Glukose und Fruktose zu «veratmen». Diese Prozesse können durch mikrobiologischen Befall (zum Beispiel Pilze, Bakterien) verstärkt werden. Gerade bei frühem Befall ist dies optisch kaum erkennbar. Die Rüben erscheinen nicht als faul und sind innen weiterhin beige. Die Glukose wird dann weiter zu langkettigen Kohlenhydraten (Poly-Saccharide) verstoffwechselt. Diese beeinträchtigen die Verarbeitung in der Fabrik, weil sie zu leichter Schleimbildung neigen und damit die feinen Poren der Rohsaft-Filter verstopfen. Dieser Umwandlungsprozess ist eng mit der Temperatur verknüpft: Je näher diese bei 0 °C liegt, desto langsamer verläuft die Umwandlung. Die Fabriken versuchen darum dieses Phänomen auf verschiedene Arten zu entschärfen indem sie Rüben mit unterschiedlicher Verarbeitbarkeit vermischen oder Enzyme zur Spaltung von gewissen Polysacchariden beigeben.