Im Restaurant Frohsinn sollen 20 Asylsuchende ein Zuhause auf Zeit erhalten.
12.02.2026 13:49
Verfrühte Panik in Berg?
Berg will kein Durchgangsheim
Die Gemeinde Berg stellt sich vehement gegen das geplante Durchgangsheim der Peregrina-Stiftung. Auch wenn dieses nur asylsuchende Familien und Paare beherbergen wird.Ein Blick in Durchgangsheim erprobte Gemeinden und Städte zeigt: Es gibt kaum Probleme mit der Stiftung und den Menschen in Heimen.
Berg Der Gemeindepräsident von Berg, Toni Thoma, tobt am Telefon. Er wolle keine potenziellen Verbrecher in Berg. Aktuell seien sowieso «Fälleler» unterwegs, da brauche es nicht noch mehr Kriminalität. Die Haltung der Peregrina-Stiftung sei arrogant, ihr Handeln inakzeptabel. Die rechtlichenAspektewiedasAusbleiben eines Umnutzungsantrags und die zeitgleiche Kommunikation mit der Bevölkerung und der Gemeindemachtenihnsprachlos. «Wir haben viel Geld und Zeit in die Ortsplanung investiert.Jetzt grätscht einfach jemand dazwischen», sagt er wutentbrannt. Es sei ein bewusstes Vorgehen gewesen, die Gemeinde vor vollendete Tatsachen zu stellen. Eberhard Wörwag ist Geschäftsführer der Peregrina-Stiftung. Die Gemeinden im Voraus zu informieren, sei nicht üblich, denn: «Es kommt immer wieder vor, dass wir uns mit einem potenziellen Vermieter nicht einigen können, beziehungsweise dieser abspringt. Somit würden wir eine Gemeinde nur beunruhigen mit einer verfrühten Kommunikation.» Ausserdem habe die Stiftung versucht, die neue UnterkunftinBerg als letztesMittel umzusetzen. «Der Zuweisungsdruck lässt aktuell nach.» Im Falle von Berg hätten sie laut Wörwag demnach nicht früher kommunizieren können, da der Entscheid kurzfristig gefallensei,dassdiePeregrina-Stiftung umeineEröffnungnichtherumkomme. «Zwischen Entscheid, Vertragsunterzeichnung und Information der Gemeinde und Schule lagen nur wenige Tage», rechtfertigt sich Eberhard Wörwag.
Kradolf ist eingespielt
Auch Heinz Keller, Gemeindepräsident von Kradolf, platze damals der Kragen. Im Sommer 2023, kurz vor der Gemeindeversammlung, kam die Nachricht, dass im ehemaligen Alterszentrum Asylsuchende einziehen werden. Er kann somit mit Toni Thoma mitfühlen, doch in seinem Fall gleichzeitig Entwarnung geben. «Die Zusammenarbeit mit der Peregrina-Stiftung verläuft seit dem ersten Knall sehr gut und transparent.» Auch Keller hätte erwartet, dass der Kontakt frühzeitig mit der Gemeinde aufgenommen worden wäre. So hätten sich viele Befürchtungen und Zweifel vorzeitig aus der Welt schaffen lassen. «Doch die Menschen möchten unbedingt in der Schweiz bleiben und haben keinen Grund, sich unangemessen zu verhalten. Geschweige denn tätlich zu werden.» Es habe zwei, drei kleine Vorfälle in den letzten zweieinhalb Jahren gegeben. «Zwei Buben stibitzten einige Kartoffeln und Zwiebeln», sagt er. Ein Bewohner führte dazu Marihuana mit sich. Von «potenziellen Verbrechern» wie Thoma würde er aber nie sprechen. «Einmal im Monat trinke icheinenKafi imDurchgangsheim. Spreche mit dem Standortleiter und rede mit den Bewohnenden. Präsenz zeigen ist sehr wichtig, man muss spüren, dass wir hinschauen.» Die vehemente Abwehrhaltung seitens Berg sieht er nicht ein. Ein Unterschied sehe er zwischenKradolfundBerg: «Beiuns lebten bereits vor dem Durchgangsheim viele Menschen mit Migrationshintergrund.UnserAnteilanEinwohnerinnen und Einwohner ohne SchweizPass liegtbei27Prozent.Daher sind wir den Umgang mit den verschiedenen Kulturen schon gewöhnt.» In Berg sind es 15 Prozent. Der Thurgauer Gemeindedurchschnitt liegt bei 26,9 Prozent. Ganz schön reden will er die Situation aber auch nicht. «Einzig die Schule ist leidtragend aufgrund der enorm vielen Wechsel und fehlender finanzieller Unterstützung.» Es schlagenzweiHerzeninseinerBrust, so Heinz Keller. Zum einen als Gemeindepräsident, dem die Sicherheit und Ordnung «seiner» Gemeinde obliegt.Andererseits als SVPKantonsrat, welcher klare Erwartungen an die Änderungen in der Asylpolitik des Bundes hat. Schlussendliche müsse «nützliche Hilfe vor Ort unser Anliegen sein.»
Romanshorn ohne Zwischenfälle
«Da sich der Betrieb in Romanshorn unauffällig gestaltet, bestehen im Alltag nur wenige Berührungspunkte», sagt Rolf Müller, Leiter KommunikationderStadt.InderRegel würden die Liegenschaften ohne Kenntnis der Stadt gemietet. Die zuständigenStellenerführendavon meist hinterher. Was bisher keine Probleme bereitet habe. «Vor der Einquartierung unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender wurde die Stadt jedoch vom Geschäftsführer der Peregrina-Stiftung persönlich informiert», so Rolf Müller. Monatlich erhalte das Romanshorner Einwohneramt von der Stiftung eine Liste mit den aktuellen Bewohnenden, das funktioniere einwandfrei. «InderinstitutionellenZusammenarbeit, insbesondere bei Zuständigkeitswechseln, ist die Zusammenarbeit ebenfalls etabliert.» Auch in der Stadt Frauenfeld gibt es nichtsNegatives zumelden: «Eshandelt sich bei der Unterkunft um einestädtischeLiegenschaft,einÜberrumpeln ist dadurch auch nicht möglich», so Urban Krattiger, Mediensprecher der Stadt Frauenfeld. Der Stadtrat regle die Bedingungen für die Unterkunft für abgewiesene Asylsuchende mit dem Staatssekretariat für Migration bereits im Vorfeld der Vermietung, so dass es keine Überraschungen gab.
In Berg nur Familien und Paare
Laut Peregrina-Chef Eberhard Wörwag werden Familien mit Kindern oder Paare im Berger Heim einquartiert werden. «Der Standort ist optimal.» Die Kinder hätten einen kurzen Schulweg und es so einfacher, sich zu integrieren. Nach dem Hickhack fand letzte Woche ein Treffen mitEberhardWörwagundToniThoma statt. «Das Treffen hat in einer sachlichen, respektvollen Atmosphäre stattgefunden», so Wörwag. «Leider konnten die Vorbehalte der Gemeinde nicht ausgeräumt werden, trotz der Tatsache, dass es sich bei den vorgesehenen Bewohnenden wie erwähnt um Familien handeltunddiePeregrina-StiftunginSachen Sicherheit alles Notwendige bereits veranlasst hat.» So fand laut Wörwag eine Begehung mit der Gebäudeversicherung Thurgau in Sachen Brandschutz statt. «Es wurde dem Gemeinderat bestätigt, dass alle Auflagen fristgerecht umgesetzt werden.» Zur Petition gegen Durchgangsheime in Dorfzentren will und kann Eberhard Wörwag keine Stellungbeziehen. «MitderPetitionwird diepolitischeBühnebetreten.Dadie Peregrina-Stiftung nicht politisch tätigist,könnenwirunsnichtdazuäussern.»
Von Desirée Müller