Stadtpräsident Claudio Bernold informierte über die Zentrumslasten anhand des Beispiels Alterszentrum Park. Bild: Nico Wrzeszcz
14.10.2025 15:46
Kantonale Zentren tragen grosse Lasten
Demografischer Wandel führt zur Alterung der Gesellschaft, Altersangebot muss stetig ausgebaut werden
Wie beim Kanton Thurgau sieht auch die finanzielle Lage der Thurgauer Gemeinden nicht gerade rosig aus. Vor allem betroffen sind die kantonalen und regionalen Zentren.
Frauenfeld Die kantonalen Zentren (Amriswil, Arbon, Frauenfeld, Kreuzlingen, Romanshorn und Weinfelden) und die regionalen Zentren (Aadorf, Bischofszell, Diessenhofen, Münchwilen, Sirnach, Steckborn) beheimaten 48 Prozent der Thurgauer Bevölkerung, sogar 56 Prozent aller Thurgauerinnen und Thurgauer gehen in den zwölf Zentren zur Arbeit. Gleichzeitig tragen die Zentren die Lasten für alle als Orte für Bildung, Gesundheit, Kultur und Verkehr - Infrastruktur, die von allen Thurgauerinnen und Thurgauern genutzt werden.
«In den Mitteilungen 6/24 des Kantonalen Amtes für Daten und Statistik, den letzten des Jahres 2024, wurden die Finanzkennzahlen analysiert. Ernüchterndes Ergebnis: Bewegten sich 2022 noch bei 35 der 80 Gemeinden alle Kennzahlen in einem problemlosen Bereich, so waren es 2023 noch 25», schreibt der Verband Thurgauer Gemeinden. «Wie die im Sommer 2025 veröffentlichten Mitteilungen 3/25 zeigen, mussten neun politische Gemeinden auf dieses Jahr hin den Steuerfuss erhöhen, während ihn nur drei senken konnten. Erstmals seit 10 Jahren stieg auch der durchschnittliche Gemeindesteuerfuss.»
Zentrumsgemeinden müssen attraktiv bleiben
Anlässlich einer Medienfahrt, an der sieben der kantonalen und regionalen Zentren teilnahmen, legte die Stadt Frauenfeld den Fokus auf das Thema Alter anhand des Beispiels Alterszentrum Park. «Die demografische Entwicklung zeigt, dass wir im Alter von 50 bis 70 eine breite Bevölkerungsmasse haben. Gerade im Alter ziehen die Menschen vermehrt in die Zentrumsgemeinden um von einer besseren Infrastruktur und einem Angebot der Versorgung zu profitieren», erklärte Stadtpräsident Claudio Bernold. Somit verschiebe sich die Altersstruktur, man habe immer mehr ältere Menschen in den Städten.
Dies habe mit Sicherheit seine Vorteile, verfügen die Zentrumsgemeinden meist über gute Gesundheit und Versorgung zum Beispiel durch Ärzte, Spitäler, Pflegeheime oder die Spitex. «In der Stadt ist man zudem mobiler durch eine gute ÖV-Anbindung oder kurze Wege, wie etwa in Restaurants oder einfach zum Einkaufen.» Auf das Alterszentrum Park gesehen, treffe dies zu, verfüge man hier über ein öffentliches Restaurant, kurze Wege zum Einkaufen, kulturelle Veranstaltungen. Auch Medis können direkt hierhin geliefert werden. «Darüber hinaus lädt die Parkanlage mit einem kleinen eigenen Tierpark zum Verweilen ein, auch im Sozialen Bereich ist das AZP ein tolles Angebot», so Bernold. Zu jeden Vorteilen gehören aber auch Nachteile und damit Belastungen für die Zentren.
Mit dem steigenden Alter der Bevölkerung würden auch die Gesundheitskosten zunehmen. «Für die Zentren ist das eine steigende Belastung. Gerade bei der Pflege gibt es einen hohen Bedarf an Finanzierung und Infrastruktur», betonte Bernold. Gleichzeitig steige auch der Wohnraumdruck, denn: «Die Nachfrage steigt an, viele ältere Menschen wollen mittlerweile aber länger zu Hause wohnen bleiben. Wenn sie dann in ein Pflegeheim wechseln, besteht meist ein höherer Pflegebedarf.» Dies sei gleichbedeutend mit höheren finanziellen Lasten welche die Zentren beeinträchtigen und zu einem höheren Steuerfuss als auf dem Land führen.
Alterszentrum Park gutes Beispiel
Das Alterszentrum Park (AZP) verfüge über ein breites Angebot wie Wohnen, Betreuung und Pflege. Es sorge für eine Entlastung der Angehörigen und sorge gleichzeitig für eine bessere Integration. «Das AZP leistet einen Beitrag zur Quartierentwicklung und zur Lebensqualität der Bewohnenden. Jedoch entsteht hier ein hoher Kostenfaktor für die Gemeinde, in diesem Fall die Stadt Frauenfeld», erklärte Claudio Bernold. Das Alterszentrum habe einen grossen Infrastrutkurbedarf, die Kosten hierfür liegen bei der Zentrumsgemeinde. «Wir als Stadt spüren die grossen Herausforderungen, wollen das aber die Bevölkerung nur wenig bis gar nicht spüren lassen.» Dabei seien gesunde Zentren für den Kanton und die Thurgauer Gemeinden wichtig.
Ein grosser Teil der sozialen und finanziellen Lasten liege bei den Gemeinden, sie profitieren vom Finanzausgleich, nicht jedoch die Zentren. «Wir sind der Ansicht, dass auch die Zentren ein Anrecht auf einen fairen Ausgleich durch den Kanton haben. Wir werden als Stadt Frauenfeld weiterhin den Finger drauf halten», betonte Bernold. Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger fügte an: «Die sechs grossen Zentren haben einen Steuerfuss von 64, die sechs regionalen liegen bei 56 Prozent, die kleineren Gemeinden liegen im Schnitt bei 50 Prozent. Die Schere geht immer weiter auseinander.»
Von Nico Wrzeszcz