Kurt Lauer malte sich nach seinem Schlaganfall ins Leben zurück.
Bild: Desirée Müller
13.05.2026 00:00
«Ich trage die Farben in meinem Herzen»
Kurt Lauer organisiert nach dem Schlaganfall den Lauerismus Art Club. Am 9. Mai war die Gründungsversammlung
Der Maler und Jazz-Musiker Kurt Lauer entkam knapp dem Tod. Der Gedanke, was mit seinen Bildern passiert wäre, führte ihn zu einer Idee: Dem Lauerismus Art Club.
Leimbach Die Türe zu seinem Malatelier in der Villa Raichle in Kreuzlingen steht offen, aus dem Innern ist leise die Stimme eines Radiomoderators zu hören. Im ersten kleinen Raum reihen sich Bilder an den Wänden aneinander. Der knirschende Holzboden ist vollgestellt mit Werken. Man weiss gar nicht, wo man hinschauen soll. Kurt Lauer tritt vom Nebenraum ein, sein Herz gilt der Malerei. Mit einer fast schon entschuldigenden Geste zeigt er auf die bunte Vielfalt aus 50-Jahren-Kunstgeschichte. Sein Schaffensraum sei kein klassisches Atelier, viel mehr eine Ideenwerkstatt – oder eben Malerei. «Kinder verstehen das Wort Atelier nicht. Ein Metzger arbeitet in einer Metzgerei, ein Schreiner in der Schreinerei. Ein Künstler somit in einer Malerei», sagt er.
Nie aufgehört zu malen
Er bewegt sich unsicherer als früher, doch die Augen sind voller Energie. Vielleicht sogar noch strahlender als vorher. Kurt Lauer wurde ein zweites Leben geschenkt, oder sogar ein drittes. Letztes Jahr erlitt er einen Schlaganfall. Es folgte ein Herzinfarkt. Lauer verbrachte Monate in Rehas. Er nimmt eine lederne Mappe zur Hand und blättert darin. Etliche Skizzen, Entwürfe, und fertige kleine Werke auf Papier stapeln sich darin. Viele davon malte er vom Krankenbett aus. «Ich habe sofort wieder angefangen zu zeichnen», sagt er und Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Die Bilder seien heute noch farbiger als zuvor. «Ich trage die Farben im Herzen. Sie machen mich fröhlich», erzählt er und führt in die eigentliche Malerei. Auf einem Tisch entsteht sein neustes Werk. Von der Holzplatte ist fast nichts zu sehen. Etliche Farbtuben und Malerwerkzeuge bedecken den Tisch wie ein farbiger Teppich. «Ich male zurzeit drei, vier Bilder gleichzeitig.» Er brauche fünfmal so lange bis ein Werk fertig sei, doch: «so kann die Farbe trocknen. Die Gefahr, dass ich die Pinselstriche verschmiere, ist damit geringer.» Altersbedingt zittere er mehr, was zu häufigeren Korrekturen führe. Auch der Schlaganfall hinterliess seine Spuren. Doch seine geschwungenen Linien entstehen immer noch mit der gewohnten Perfektion. Ein Bild gibt ihm Impulse für ein nächstes. Aufhören könne er nicht. So füllt sich seine Malerei weiter und weiter mit Bildern, die eigentlich gesehen werden wollen.
Der Lauerismus Art Club
Während der Genesungsphase hatte er nicht nur die Muse, um zu zeichnen. Er hatte auch die Zeit, um sich über die Zukunft Gedanken zu machen. «Wenn ich gestorben wäre, hätte ich der Nachwelt eine gewaltige Anzahl von Kunstwerken hinterlassen. Diese wären orientierungslos irgendwo verteilt in der Kunstwelt verstaubt», sagt er und schüttelt still den Kopf. Er steht vor einem seiner grössten Werke. Der eigenwillige Stil ist unverwechselbar. Dr. Kurt Egloff, seiner Zeit Präsident der Thurgauer Kunstgesellschaft, bezeichnete diese Kunstrichtung 1977 als Lauerismus. Kurt Lauer wehrte sich nicht dagegen. Trotz Bescheidenheit weiss er, dass es keine vergleichbare Stilart gibt. «Die verbliebenen Bilder suchen langfristig eine neue Heimat.» Und dies noch zu seinen Lebzeiten. So entstand die Idee des Lauerismus Art Clubs. Eine Möglichkeit für Sammler, oder solche die es werden möchten, sich ein Stück von Lauers Lebensgeschichte zu sichern.
Desirée Müller