V.l. Stadtführerin Barbara Megert-Lüthi, Schauspielerin Christina Speer alias "Stella Stern" und Stadtführerin Irene Schütz führen durch das Weihnachtsspiel. Bild: Nico Wrzeszcz
04.12.2025 09:35
Die Weihnachtsgeschichte aus Sicht des Sterns von Bethlehem
Seit 10 Jahren veranstaltet die Regio Frauenfeld zusammen mit der Theaterwerkstatt Gleis 5 das Weihnachtsspiel. In diesem Jahr erzählt der Stern von Bethlehem seine Sicht der Weihnachtsgeschichte.
Frauenfeld Am Montag fand die erste von insgesamt neun öffentlichen Führungen für das Weihnachtsspiel statt. Zum Start um 18.15 Uhr hat sich die Kantonshauptstadt eingedunkelt und die Strassenlaternen sowie die Adventslichter in der Stadt beleuchten die Strassen. Mit Treffpunkt am Cinema Luna geht es pünktlich los, Führerin Irene Schütz erwartet den Weihnachtsstern Stella bereits. Dieser huscht auf einen E-Scooter an unserer Gruppe aus rund 25 Personen vorbei und fordert uns auf, ihm zu folgen.
Am Unteren Mätteli wartet Stella Stern, gespielt von Schauspielerin Christina Spaar, bereits auf uns und erinnert zurück an die Zeit von vor 2000 Jahren. «Ich war auf der Durchreise vom Jupiter und als ich auf die Erde geschaut habe, spürte ich, dass etwas anders war als sonst.» Drei Gestalten mit Kronen und Mäntel seien ihr in der Wüste aufgefallen. «Die haben die ganze Zeit zu mir geschaut und auf mich gezeigt. Das hat mich total verunsichert», gibt Stella preis. Sie habe nicht verstanden, was denn überhaupt los sei. Doch bevor die Geschichte weitergeht, saust sie schon wieder los und lädt uns, ihre Follower, ein, sie zu finden. Der Weg führt in die Stadtkaserne, wo Stella den nächsten Teil ihrer Geschichte erzählt. «Ich hatte mir eingeredet, dass die drei Gestalten nichts mit mir zu tun haben. Ich überlegte, vielleicht sind es Forschende, Abenteurer oder Pioniere?» Das passe auch perfekt hier in die Stadtkaserne, ein Ort, an dem sich Pioniere niederlassen. «Aber ich merke, ich schweife ab. Das gehört zur Kernkompetenz von uns Kometen», sagt Stella unter einigen Lachern und flitzt weiter.
Der Weg führt weiter zur katholischen Kirche. Dort wartet Stern Stella auf ihre Follower. «In der sechsten oder siebten Nacht habe ich gemerkt, dass die drei Kerle mit Kronen in einer geraden Linie in Richtung einer Stadt laufen, Bethlehem. Ich stand über dem Ende der Stadt und habe ihnen damit wohl irgendwie den Weg gezeigt.» Wegen einer Volkszählung sei die Stadt komplett überfüllt gewesen, alle Zimmer waren besetzt. «Doch da gab es einen Stall, eine Frau lag hochschwanger in den Wehen, ihr Mann, leichtherzig und überfordert neben ihr, ein Esel, ein Ochse und dann das Baby. Dieser Moment war etwas Magisches.» Von da an habe Stella den drei Männern in der Wüste bewusst den Weg gezeigt. Auch hier schweift Stella ab, erzählt über die Satelliten und das Besondere des Himmels für die Menschen.
Die drei Männer waren natürlich die heiligen drei Könige, wie sie in der katholischen Kirche genannt werden, Caspar, Melchior und Balthasar. Wir Follower sind mittlerweile weitergelaufen, der Weg führt uns zurück in die Altstadt. Stella ist schockiert über unsere Weihnachtsbeleuchtung und das, was heutzutage als Weihnachtsstern durchgeht. «Jedes Jahr zur gleichen Zeit nehmen alle ihren Krims-Krams hervor und haben nur das Ziel, ihre Nachbarn zu überbieten. Dabei frage ich mich immer: Was hat dieses Bling Bling denn mit Weihnachten zu tun?» Doch bevor die Frage beantwortet wird, ist Stella schon wieder auf und davon.
Die letzte Station ist die evangelische Kirche. «Wenn wir jetzt in den Himmel blicken, blicken wir in die Vergangenheit. Denn vor 2000 Jahren sah der Himmel noch anders aus, als er es heute tut.» Wenn es einen Stern «verjagt», sei dies ein riesiges Spektakel. «Dabei frage ich mich immer, was passiert mit mir, wenn ich einmal nicht mehr bin. Jedes Mal, wenn ich die Sonne umkreise, verliere ich an Substanz, bis nichts mehr von mir übrig bleibt. Wenn dieser Tag kommt, dann werde auch ich mit einem Spektakel gehen. Und dann gehe ich im Frieden mit mir selbst.» Und genau darum gehe es in dieser besonderen Zeit des Jahres, im Frieden mit sich selbst und mit allen zu sein.
Von Nico Wrzeszcz