06.05.2026 00:00
Bangen um das Campusleben
Wo seitens PMS-Leitung und Regierung Schweigen herrscht, erzählt die Schülerschaft ihre Sorgen
Konvikt und Mensa der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) könnten der Vergangenheit angehören. Der Grund liegt in der so genannten Aufgaben- und Verzichtsplanung des Kantons, einem Sparprogramm, das prüft, auf welche Leistungen künftig verzichtet werden könnte. Was dort als möglicher Verzicht formuliert ist, sorgt an der PMS Kreuzlingen bereits für grosse Verunsicherung.
Kreuzlingen Die Diskussion ist lanciert, die Antworten bleiben aus. Politisch entschieden ist noch nichts. Wer nach konkreten Aussagen sucht, wird weitergereicht. Die Rektorin der Pädagogischen Maturitätsschule (PMS) Brigitte Pallmann verweist zunächst an den Amtsleiter für Mittel- und Hochschulen, Christof Widmer. Konviktleiterin Cynthia Gysi hebt nur die Schultern, als wir an ihre Tür klopfen. Auch ihr seien die Hände gebunden. «Ich darf leider nichts sagen.» Vom Amtsleiter kommt ebenfalls Schweigen. Die Anfrage geht weiter an die Kommunikationsstelle des Departements. Auch von offizieller Seite bleibt es zurückhaltend. Mediensprecher Markus Zahnd erklärt, der Regierungsrat habe den Bericht der externen Experten lediglich zur Kenntnis genommen und unverändert in die Vernehmlassung geschickt. Inhaltlich sei noch nichts bewertet, entschieden sei nichts. Die Zurückhaltung seitens Regierung ist legitim. Denn der Ursprungsgedanke einer Schliessung kommt nicht aus ihren Reihen, sondern liegt ausserhalb des Kantons. Erarbeitet wurden die Vorschläge von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der publicXdata AG. 50 Massnahmen umfasst der Bericht, auch im Bildungsbereich.
Grösste Konsequenzen für PMS
Volksschulklassen könnten teilweise vergrössert und besser ausgelastet werden. Kurse, etwa bei Schwerpunktfächern reduziert oder zusammengelegt werden. Zusatzangebote wie Projektwochen oder Spezialprogramme stehen zur Diskussion. Ebenso wird geprüft, ob Standorte in der Berufsbildung stärker gebündelt und Klassen zusammengelegt werden können. Auch bei der Infrastruktur wird angesetzt, Schulräume sollen effizienter genutzt und Doppelstrukturen reduziert werden. Der Eingriff bei der PMS hätte aber weitaus die grössten Konsequenzen.
«Schule wär nicht mehr dieselbe»
Die Schülerinnen und Schüler sind bei einem Besuch auf dem Campus redseliger. Elisabeth Dömpke spricht im Namen der Schülerschaft: «Ich möchte es in aller Deutlichkeit sagen: Unsere Schule befindet sich durch diese Pläne in Not und wird durch sie bedroht.» Aktuell leben rund 17 Prozent der insgesamt 670 Schülerinnen und Schüler im Konvikt, maximal stehen dort 120 Plätze zur Verfügung. Viele kommen von entlegeneren Regionen des Kantons. «Wenn das Konvikt wegfällt, werden viele nicht bleiben können», schätzt Dömpke ein. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen hat sie einen persönlichen Brief an alle Kantonsrätinnen- und Räte verschickt. Schülerin Anouk Capra steht vor ihrer Konvikt-WG. Auch für sie wäre pendeln keine Option. Sie wohnt an der Grenze zu Wil, täglich würde sie fast drei Stunden im Zug sitzen. Sie ist überzeugt: «Die meisten Schüler, welche im Konvikt leben, würden sonst nicht in Kreuzlingen die PMS besuchen.» In dieser Form ist die Kombination aus Pädagogischer Hochschule und Wohnheim in der Schweiz nahezu einzigartig. Während in vielen Kantonen der Weg in den Lehrberuf über eine gymnasiale Matura und ein anschliessendes Jahr im pädagogischen Bereich führt, ist dies in Kreuzlingen bereits kombiniert. Ergänzt wird dieses Modell durch das Konvikt als betreutes Wohnangebot. «Das Konvikt ist für die Schüler ein zweites zu Hause. Der Zusammenhalt ist in der Gemeinschaft sehr gross und bietet eine wichtige Stütze im Leben ihrer Mitglieder. », sagt Anouk Capra.
Wohnsituation wäre fordernd
Ein Blick auf den Wohnungsmarkt in Kreuzlingen zeigt, was ein Wegfall konkret bedeuten könnte. WG-Zimmer liegen zwischen etwa 600 und 900 Franken pro Monat. Kleine Wohnungen beginnen bei rund 800 bis über 1000 Franken, durchschnittliche Mieten liegen deutlich höher. Dem gegenüber steht das Konvikt mit Kosten von rund 4100 Franken pro Jahr für das Zimmer sowie etwa 1700 Franken für Verpflegung, also deutlich unter marktüblichen Preisen.
Auch die Verpflegung wäre betroffen. Heute nutzen die Schülerinnen und Schüler die Mensa als festen Bestandteil ihres Alltags. Auch die Studierenden der PH und der Kantonsschule essen dort zu Mittag. Falls die Mensa wegfällt, müssten Alternativen gefunden werden. Dann müssten sich ein Grossteil der Schülerinnen und Schüler irgendwie anders organisieren. Das würde den ganzen Tagesablauf verändern. Restaurants, Take-aways oder Einkaufsmöglichkeiten zwar sind vorhanden. Doch eine tägliche, koordinierte Lösung für so viele junge Erwachsene gleichzeitig wäre ein Ding der Unmöglichkeit.
Dazu kommt: «Aktuell kostet ein Menü acht Franken. Wir teilen uns jeweils eine grosse Portion. Sprich für vier Franken haben wir ein super feines und gesundes Mittagessen», sagt Larissa Kradar. Ihre Kollegin Eliane Munz ergänzt: «Falls es zu einer Schliessung der Mensa kommt, befürchten wir, dass sie privat weitergeführt wird. Doch niemand kann sich 20 Franken im Tag für ein Mittagessen leisten», so Larissa. Für sie ist klar, dass es nicht nur um einzelne Angebote geht. «Wenn man Konvikt und Mensa streicht, verändert sich die ganze Schule», sagt sie. «Dann ist es nicht mehr die PMS, wie wir sie kennen», ergänzt Anouk Capra. So steht die Schule derzeit zwischen Vorschlag und Entscheidung. Vieles ist offen, vieles noch nicht entschieden. Doch für die Betroffenen ist die mögliche Veränderung bereits sehr konkret.
Desirée Müller