09.07.2026 08:00
Auf Schatzsuche mit der tierischen Trüffel-Maschine
Eine Spürnase der Extraklasse. Seit fünf Jahren geht Stefanie Büchi von der «Trüffelwerkstatt» mit Hund Amiro auf Trüffelsuche
Amiro ist ein erstaunlicher Hütehund. Seine Fähigkeit, Trüffelzu erschnuppern, wollte ich selbst erleben. Gemeinsam mitFrauchen Steffi tauchte ich in die Kunst der Trüffelsuche ein.Wo genau, darf ich nicht sagen.
Region Steffi Büchi aus Hinterhorben bei Frauenfeld öffnet die Hundebox und hebt Amiro aus dem Auto. Der Senior mag mit seinen 10 Jahren keine grossen Sprünge mehr machen, doch seine Nase ist wohl eine der besten im Land. «Wo ist der Zapfen?», sagt Frauchen Steffi, nachdem sie ihn auf den Boden gesetzt hat. Schon als sich die Kofferraumtür öffnet, strömt ihm wohl der herrliche Trüffelgenuss entgegen. «Hunde haben etwa 300 Millionen. Wir etwa fünf Millionen», erklärt Steffi und folgt entspannt ihrem Hund. Die Schritte werden etwas schneller, als er direkt am Waldrand zu graben beginnt. «Sonst ist der Trüffel schnell weg», sagt sie und lacht. Der Feinschmecker lässt es sich nicht nehmen, hin und wieder einen Happen des edlen Pilzes zu kosten. Seine Arbeit ist schnell getan. Auf das Handzeichen von Steffi legt er sich neben sie und wartet. Mit einem Schäufelchen legt sie das kostbare Gut frei. Überrascht über den Fund innert Sekunden, ist sie nicht und hebt fast entschuldigend die Schultern. «Ich weiss, er ist eine Trüffel Maschine», sagt sie und lacht. Bisher nannte ich mich immer eine Trüffelliebhaberin.
Bei uns zu Hause sind Öl oder Gewürze in täglichem Gebrauch. Steffi reicht mir den Pilz. Ich rieche daran und hebe verblüfft die Augenbrauen. Würd ich ihn nicht selbst in der Hand halten, würd ich den Geruch niemals mit dem Trüffelduft vergleichen, den ich bislang kannte. «So riecht Trüffel wirklich», sagt Steffi und lächelt über mein etwas erstaunten Gesichtsausdruck. Die gewohnten Produkte mit Trüffelgeschmack seien meist synthetisch hergestellt, erklärt sie mir. Die Intensität ist überwältigend. Die Finger riechen sofort nach Trüffel und mit der Zeit erkenne ich den sagenumwobenen Duft schon bevor wir den Pilz überhaupt in der Erde sehen. Im Minutentakt findet Amiro Trüffel. Steffi führt ihn zu Plätzen, die prädestiniert sind für den edlen Pilz. Neben Eiche, Buche und Efeu lässt es sich wohl am besten wachsen. Die Bäume versorgen den Pilz mit Zucker aus der Photosynthese. Im Gegenzug verbessert der Pilz die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen. Eine geniale Symbiose.
Wir kommen fast nicht mit Amiros Tempo mit. Nach jedem Fund schaut er uns mit geneigtem Kopf an und wartet sichtlich auf Steffis Kommando, weiterzusuchen. Es geht ihm sichtlich nicht nur um das Leckerli nach jedem Erfolg. Er liebt die Schatzsuche. Genau so wie Steffi. Kaum ein Spaziergang der beiden endet ohne Beute.
Die geheimen Trüffelpfade
Zapfen ist Amiros und ihr «Codewort». «Such den Trüffel, möchte ich weniger in den Wald hinein rufen», so Steffi schmunzelnd. Denn die Trüffelsuche ist wahrlich mit einer Schatzsuche zu vergleichen. Und die Schatzkarte würde man bekanntlich nicht jedem Piraten freiwillig übergeben. Mit Begleitung geht sie nur bei Kursen auf Trüffeljagd. Ansonsten ist es eine Sache zwischen Amiro und ihr. Die meisten Trüffelsucher geben ihre Fundorte nicht preis. Nach jedem Fund wächst der Wunsch, weiter zu suchen. Das Kind in mir erwacht und es fühlt sich etwas an, wie Ostereier suchen. Nur, dass jedes «Ei» um die 50 Franken wert ist. Der 100 Gramm Preis liegt aktuell bei etwa 62 Franken. An dem Morgen sammeln wir etwa ein halbes Kilo. Amiros Schritte werden gemächlicher. Auf dem Rückweg zum Auto bleibt er immer wieder stehen und blickt zu Steffi auf. Seine Nase ist bewundernswert. «Für heute ist's genug», sagt die 38-Jährige und tätschelt ihn an den Schultern. Die gefundenen Trüffel werden in den nächsten Tagen zu Trüffelbutter verarbeitet und für ein eigens kreiertes Gewürz getrocknet. Die Produkte verkauft sie im eigenen Mini Hofladen. Ab heute auch über ihre Webseite. Sie überlegt, ob sie künftig private Trüffeltouren anbietet - auch für Gäste ohne Hunde. Für sie mache den Reiz die Natur aus. Weniger der Verkauf der Trüffel.
Trüffeln auf der Anlage
Etwas weniger abenteuerlich, aber nicht weniger beeindruckend ist die Suche nach Trüffeln auf der Anlage von Jürg Truninger in Hörhausen. Und der Ansatz ist ein anderer: Vor 12JahrenhatermitTrüffelsporengeimpfte Bäume gepflanzt. Heut sind es rund 1300 Stück. Im sechsten Jahr konnte er die ersten Pilze - etwa zehn Kilo - ernten. Amiro erschnüffelte übrigens 2025 knapp acht Kilo. Auf Truningers Anlage können Hundeführer die Trüffelsuche üben. Er bietet sogenannte Trüffelcoachings an. Auch kann man Baumpate werden und dementsprechend Trüffel beziehen und sich zweimal im Jahr bekochen lassen. Trüffel ist im Trend. Nicht nur der Geschmack, sondern das fast schon mystische Wesen des Pilzes mit einer bewegten Vergangenheit, die bis ins Mittelalter zurückführt, sorgt für Begeisterung. Eines ist klar: für mich war es nicht das letzte Trüffel-Abenteuer.
Von Desirée Müller